Ein männlicher Briefmark

Ein männlicher Briefmark erlebte
Was Schönes, bevor er klebte.
Er war von einer Prinzessin beleckt.
Da war die Liebe in ihm erweckt.

Er wollte sie wiederküssen,
Da hat er verreisen müssen.
So liebte er sie sie vergebens.
Das ist die Tragik des Lebens!

Quelle:
Die Schnupftabaksdose
Joachim Ringelnatz - München 1912
www.zeno.org Zenodot Verlagsgesellschaft mbH
 

Der Muse Beistand.

Posted by Admin on Mai 12, 2008
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Mag auch der Kritiker und Kritikaster schrein, So soll doch meinem Haupt ein Kind entspringen: Zwar keine Pallas soll es werden, nein, So mein ichs nicht. Bin ich doch auch kein Zeus, so ein Gesundes starkes Kind soll es nur sein, Nur zur Geburt soll mir die Muse Beistand leihn, Um den ich sie im ersten Vers gebeten, Denn zum Erzeugen hab ich ihrer nicht vonnöten. Also der Kritiker meiner vergilbten Zeitschrift fußte auf jenem Axiom und wandte es praktisch auf den conkreten Fall an. Daß ichs nur gleich gestehe: er ließ kein gutes Haar an Wolfgangs Römischen Sünden. Seine catonische Moral fand die Offenheit, mit welcher der Dichter sein Verhältniß zu Faustina behandelt, cynisch, da es klar schroffurtheilende Kunstrichter als unzulänglich, sintemalen die ewigen Sittengesetze zu allen Zeiten die gleichen seien. Über die Schwächen der Menschen zu spotten, das ist ein selbstmörderisches Handwerk. Die Stoffe kommen zu einem, sagt er im Literaturhaus. In der Tat ähneln sich die politischen Forderungen beider Parteien. Wie der Donner dem Blitz, so folge in der Seele des correkt organisirten Menschen die Entrüstung dem moralischen Verstoße ganz unabhängig von den Schwankungen einer äußerlichen Mode. In der Maske des Journalisten verstößt der Schriftsteller gegen die Regeln. Gabor beobachtet einen Mann, der sich auf die Fähre schmuggelt. Dieses angeborene Sittlichkeitsgefühl könne zwar momentan getrübt, aber nie wesentlich modificirt werden. Johannes Wolfgang von Goethe sei also trotz seiner großen dichterischen Begabung ein unmoralischer Autor und verdiene von wohlgesinnten deutschen Familienvätern fürderhin nicht mehr gelesen zu werden. Bekanntlich liegt in der Form ein Vorschein der besseren Welt. Der Kritiker Benedetto Croce hat das Wort von Leopardis vita strozzata, seinem erdrosselten Leben geprägt. Es geht darum, dass der Souverän sich wohl fühlt. Zwei Tage später postete er ein Bild seines Deutschland-Visums. Etliche Tweets von Presse und Fans verbreiteten die freudige Nachricht. Tatsächlich erscheint Leopardis kurzes Leben von knapp 39 Jahren, in dem es nie eine feste Anstellung, dafür ständige Geldnot, viel Sehnsucht, aber keine einzige erfüllte Beziehung und nur wenige verlässliche Freunde gab, wie ein Klischee des Unglücks, das von Leopardis Äußerem (klein, bucklig, kränklich) und seinem verschlossenen Wesen noch unterstützt wird. […]

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Schneeflocken, Kälte, Blätter, Kerbtiere.

Posted by Admin on Mai 12, 2008
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In einen richtigen Kalte Jahreszeit mit Frost und Niederschlag untertaucht allerdings innerhalb desselben die Gesamtheit Insektenleben, jedoch es hört nicht auf, wie man im letzten Endes folgenden Frühjahr unschwer erfasst. Wenn jener Kalte Jahreszeit sich abschied nehmen will, wenn Kälte und Tau es erlauben, ein paar Graben voll zerbröckelten Laubwerks heim tragen. Nachdem der ziemlich tiefe Tau in selbiger Gegend zur Sechzig Minuten vorüber und die Bäume mit Florieren und Schmökern scheinen, die Muttererde sich mit den schönsten Blumensträuße anzieht und schmückt, wovon die Weib allerlei Buketts und Blumensträuße abhängig. Für die Staaten durch Winterzeit, den Frost und Tau beschreiben, untergeht zwar im Verlauf desselben alles Insektenleben den Augen; daß es aber nicht aufgehört habe, lehrt jedes darauf folgende Frühling zum wiederholten Male. Beiläufig erwähnt, ist das Verfahren eine zwar schon bekannte, aber ganz vortreffliche Methode für den Sammel-Elektrode, sich mit einer Menge, im Besonderen kleine Tiere, zu fördern, die er auf den sommerlichen Sammelgängen (Exkursionen) übersieht oder absichtlich unberücksichtigt läßt, weil er gerade weitere Anlässe verfolgt. Einige Maikäferflügel, eine halb verschimmelte Kerf ohne Beine und sonstige Überreste würden vertrauen machen, daß man hier in einen großen Trauerfeier platz dieser kleinen Wesen geraten sei, und daß über Kalte Jahreszeit keines mit dem Leben davon komme. Schüttet man den Gehalt, sobald er einige Std. in der warmen Salon angesiedelt, in ein Drahtsieb aus, breitet dem einen Papierblatt wachen Aktien unter und beginnt an zu rütteln und zu schütteln, so wird man zu seiner nicht geringfügigen Knalleffekt auf dem Index Papiere ein reges Status realisieren und sehr viel gleichbleibenden Tierchen abermals ablesen, die man im Herbste im Freien im Freien antraf, unanzweifelbar, daß man ein treues Erinnerung für dergleichen Dinge hat. […]

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Rent a Huhn.

Posted by Admin on Mai 12, 2008
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Hühner für zu Hause, Ihren Garten, Kindergarten, Schule oder Altenheim - Viel Freude - wenig Aufwand - Rent a Huhn, Ausleih-Service, Hühnerhaus , Eier, Futter, Stall, Futterautomat, Wasserautomat und Einstreu - Wenn wir am Ende der Geschichte sind, wissen wir mehr als jetzt, denn es war ein böser Kobold! Sie hing am Dachsparren, schaukelte sich auf dem Hahnenbalken, Traumgestalten brütend. Da stand der greise Kobold von Dovre mit der Krone von gehärteten Eis- und polierten Tannenzapfen; übrigens hatte er einen Bärenpelz und große Stiefel an, die Söhne hingegen gingen mit bloßem Halse und in Hosen ohne Tragbänder, denn es waren Kraftmänner. Die Wassernixen saßen in großen Wasserkufen zu Tische, sie sagten, es sei gerade, als ob sie zu Hause seien. Und hast du dabei gar die Gesellschaft von zwei jungen Kindern gehabt? Es war einer der allerärgsten, es war der Teufel! Es ist ein Kobold - was sollte man unbedingt beachten? Erst im Traumgesicht habe Jochen die Weisung erhalten, eine Hand voll Heu aus dem Stall zu ziehen und so viele male einen Napf zum Eulenlnoch hinaufzutragen, als Fasern in dem Büschel wären. Je höher sie mit dem Spiegel flogen, um so mehr grinste er; sie konnten ihn kaum festhalten. Aber im Winter starrt das Gelände der Wiesen von Eis und Schnee und Kälte, dann kommt kein Bursche, kein Dirnchen dahin. Auch von Pucks Rache wußte Henn zu berichten. Werden die Gottlosen leibhaftig in den feurigen Pfuhl kommen und mit Leib und Seele vernichtet werden? Das Kleinste und das Größte nahm edlere Formen an: der altväterische Ofen, bis dahin ein Ungeheuer, wurde zu einem Ornament, die Eisengitter hörten auf, eine bloße Anzahl von Stangen und Stäben zu sein, man trank aus Schinkelschen Gläsern und Pokalen, man ließ seine Bilder in Schinkelsche Rahmen fassen und die Grabkreuze der Todten waren Schinkelschen Mustern entlehnt. […]

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Wort und Lied.

Posted by Admin on Mai 12, 2008
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Und was mit Lenzgewalten durch meine Seele zieht, zu halten und zu gestalten, versagt mir Wort und Lied . . . ... Quelle: Alte Lieder Gedichte von Clara Müller-Jahnke Berlin 1910 www.zeno.org - Zenodot Verlagsgesellschaft mbH Seele, was der Commandierende versprach waren goldene Berge, wenn man ihn mit seiner Mannschaft in die Burg einlassen wollte und drohte im widrigen Falle, keiner Seele Verschonung zu geben. Der Feind, welcher gute Beute gemacht u. unter anderem 186 Stück Pferde u. Vieh mitgenommen, sahe von ferne zu u. dachte, das ganze Schloß würde daraufgehen u. die Leute in demselben entweder verderben oder herausfallen müssen. Aber was die Gottlosen gerne wollten, ist verdorben und verloren. Das Gebet derer, die im freien Felde herumgejagt, in Sträuchern beschädigt u. ausgeplündert oder sonst in Ängsten waren, drang durch die Wolken zum himmlischen Vater. Gott erhörte das Seufzen u. Weinen derer, die in der Burgkapelle auf den Knieen lagen u. die Hände emporhoben. Er ließ wohlgeraten die Arbeit der munteren Weiber, die aus dem tiefen Brunnen (denn das Röhrwasser der künstlichen Wasserleitung hatten die Feinde zerstört und abgeschnitten) Wasser zum Löschen trugen, u. der Männer, die Wasser ins Feuer gossen. Ja, er selbst half löschen u. gab vom Himmel einen gnädigen Regen. Und so ward die Flamme gedämpft, das Herz des Schlosses erhalten, u. obwohl in der Stadt einige verwundet u. getötet, desgleichen vom Feuer ergriffen u. vom Rauche erstickt worden waren, so ist doch auf dem Schlosse keiner Person Leid widerfahren. Was war es aber für ein schrecklicher Anblick, da der Feind sich unsichtbar gemacht u. die verarmten Leute vom Schlosse u. von den Feldern auf den Brandstätten zusammenkamen! Nichts war jammernswerter, als der Anblick so vieler Leichen u. der Verlust an Eltern, Ehegatten u. allernächsten Freunden. Unzählige Thränen flossen aus den Augen aller, u. wer noch des andern Tages sich auf den Gassen umsehen wollte, konnte mit unbedeckten Füßen auf dem erhitzten Pflaster nicht fortkommen. Daher gab der Tod sein letztes Geheimnis denn auch erst preis, als die Gewöhnung an die Pariser Genüsse, die Erfolge und die befriedigte Eitelkeit ihm den so schwachen Dichter mit Leib und Seele zum Sklaven gemacht hatten. […]

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Die Schreiber.

Posted by Admin on Mai 12, 2008
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Und wie ich hinaustrat zur Schwelle, Da blühten die Bäume schon all Und Liebchen, so frühlingshelle, Saß drunter beim Vogelschall. Und eh wir uns beide besannen, Da wiehert' das Flügelroß – Wir flogen selbander von dannen, Daß es unten die Schreiber verdroß. Quelle: Joseph Freiherr von Eichendorff. Sängerleben Gedichte 1841 www.zeno.org Werber Hof und Haus Die Werber »O Frühling, wie bist du helle! Ade nun Hof und Haus!« Und jubelnd auf den Schwellen Mit fröhlichen Gesellen Wandert der Dichter aus. Doch ihre Lieder wecken Rings leises Zischeln bald, Kobold' aus allen Hecken Erweisen sich mit Necken Gar wunderbar im Wald. Liebchen Du hättest so heiss Aus lustiger Bude Spendet der Acquarol Wasser, Limonen und Eis. Bald, mein Schätzchen, Von deiner Liebe erzürnt Die Hofrichterin Einen traurigen Gedanken, Siehe da, das Kind des Nordens! Es lächelt ironisch, Und dennoch seufzet sie: Ach halt. Wie hierin, so ging eine neue belebende Wirkung auch auf kunstgewerblichem Gebiet. Die Herren waren es wohl? Aber mein Liebchen ist doch damit nicht zu vergleichen! ästhetisch, Die Damen von zartem Gefühl. Ein Blumengurt, ein Myrtenhut Kühlt Liebchen vor des Sommers Glut. Doch an den Fensterscheiben Wer mahlte die Blätter da? Fremd bin ich eingezogen, Fremd zieh ich wieder aus. aus. Denselben beherrschenden Einfluß, den der Wiener Maler auf das zeitgenössische Kunstgewerbe ausübte, hatte auf die künstlerische Industrie und das künstlerische Handwerk seiner Tage. Gab es eine neue Spontinische Oper, wer anders, sagt Fontane, als Schinkel konnte die Decorationen, gab es ein fürstliches Begräbniß, wer anders als Schinkel konnte die Zeichnung zu Monument oder Grabstein entwerfen? Klarer Himmel von Frühling bis Herbst, versteht ihrs im Norden? Das ganze Kunsthandwerk dieser wichtige Zweig modernen Lebens ging unter seinem Einfluß einer Reform, einem mächtigen Aufschwung entgegen. Die Tischler und Holzschneider schnitzten nach Schinkelschen Mustern, Fayence und Porzellan wurden nach Schinkel gewebt. […]

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